Jamnitzer für alle – keine Stadt die Reichen!

Wir waren heute am Jamnitzer. Es gab Kinderprogramm und alle konnten ihre Wünsche für den Jamnitzer aufschreiben. Und wir haben eine Rede gehalten. Lest sie doch mal durch:

Liebe Kinder, liebe Jugendlichen, liebe Erwachsenen, liebe Gostenhoferinnen, liebe Freundinnen,

Wir sind Anna, Arthur, Dieter und Dori vom Ortsverein Gostenhof der Falken aus Nürnberg. Wir haben unseren Stadtteilladen – das Amikaro – in der Adam-Klein-Strasse. Dort treffen sich immer unsere Kinder- und Jugendgruppen und wir sind damit in direkter Nachbarschaft zum Jamnitzerplatz, den wir oft – gerade in Zeiten von Corona – nutzen. Wir kennen unseren Jamnitzer also recht gut.

Er ist ein Ort zum Fahrrad fahren lernen, zum Fussball, Basketball, Tischtennis spielen und zum Inliner fahren. Er ist ein Ort zum Daten und Knutschen. Ein Ort zum Freundinnen treffen und Bier trinken und kiffen, ein Ort zum Trubel genießen und beobachten. Ein Ort zum Sand buddeln, zum Pflanzen und Tiere beobachten und zum picknicken. Ein Ort, um einen Plausch mit uralten Nachbarinnen zu halten. Ein Ort, um sich nicht alleine zu fühlen. Ein Ort, um zu schaukeln, zu klettern und fangen spielen. Ein Ort, um Zeit zu vertrödeln und die Hausaufgaben zu vergessen. Ein Ort, um sich nach der Arbeit besaufen. Zum Musikhören……ein Ort, der den nicht vorhandenen eigenen Balkon oder Garten ersetzen muss.

Puhhh. Das sind ziemlich viele Anforderungen, die an diesen Platz gestellt werden und es ist eine grosse Herausforderung, diese unter einen Hut zu kriegen. Wenn Scherben rumliegen, lässt es sich schlecht Fahrrad fahren lernen, wenn Betrunkene aggressiv werden, kann das Angst machen.

Neben diesen ganzen legitimen und verständlichen Ansprüchen an den Platz gibt es aber noch ganz andere Ansprüche, die an ihn gestellt werden.

Er soll für manche, nämlich die, die ihn garnicht als Balkon oder Garten nutzen müssen, weil sie ja selber einen haben, für manche von denen soll der Platz auch Wochenends ab 22 Uhr muksmäuschenstill sein. Für die soll der Platz auch sauber sein – aber nicht einfach nur ohne Scherben oder Dreck, sondern frei von Menschen, die ihnen als unschicklich, verwahrlost, unangepasst oder unangenehm, als zu laut oder zu viele erscheinen. Sie wünschen sich ein bürgerliches Idyll vor der eigenen Haustür, in dem keine Armut und kein Elend sichtbar sind und in dem nur derjenige Ausdruck von Lebensfreude zu sehen sein soll, den sie selbst praktizieren: Kindergekreische, Vodka O-trinkende Jugendliche, die HipHop oder Techno aus ihren Boomboxen hören und Graffiti zählen für sie nicht. Erst ziehen sie die Zäune um ihre eigenes Grundstück, nun wollen sie die öffentlichen Plätze einhegen.

Für uns hingegen zählen die gerade genannten Anforderungen, die diese Leute an den Platz und das Viertel stellen, nicht als legitime Bedürfnisse. Sollen sie ihr Bürgeridyll halt in ihrem Garten ausleben oder aufs Land ziehen – sie können sichs doch locker leisten.

Wir stellen fest, dass den mit unserem Stadtteil und seinen Leuten nicht zu vereinbarenden Bedürfnissen dieser Fraktion von der Stadt und der Presse besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es vergeht kaum ein Monat ohne einen reisserischen Artikel über den Jamnitzer und wie schlimm doch die Verhältnisse dort seien. Scheinbar gibt es ein Mitsprachrecht vor allem für Hauseigentümerinnen und besorgte Anwohnerinnen. Warum fragt eigentlich niemand das Mödchen, das am Jamnitzer Fahrrad fahren lernt, wie ihr der Platz gefällt. Oder den Jugendlichen, der dort mit seinen Leuten abhängt.

Die Polizei reagiert einerseits auf die Greuelmärchen vom verwahrlosten Jamnitzerplatz und produziert gleichzeitig genau solche Bilder. Die permanente Kontrolle, die häufige polizeiliche Präsenz, das Überreagieren und das martialische Auftreten von USK zum Beispiel letzten Sommer wirken nach außen, als herrsche Soddom und Ghomorra am Jamnitzer. Und genau diese falsche Darstellung soll wiederum das harte und permanente Vorgehen der Polizei rechtfertigen. Da beisst sich doch die Katz in Schwanz.

Dabei kann man hier regelmäßig beobachten, wen die Polizei eigentlich kontrolliert: people of colour, Jugendliche und Trinkerinnen. Die Polizei agiert nach rassistischen, jugendfeindlichen und armen- und arbeiterinnenfeindlichen Kriterien. Ein Sicherheitsgefühl verschafft sie nur den reichen Weißen. Alle anderen haben eher Angst oder sind genervt von ihr. Hierbei arbeitet die Polizei eng mit der Stadtverwaltung zusammen. Zusammen wird unter dem Deckmantel von Sicherheit und Ordnung die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums vorangetrieben, zum Beispiel durch das städtische Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen. Es ist völlig in Ordnung, sich im Weinlokal für 6 Euro das Gläschen hart zu betrinken und besoffen über den Jamnitzer ins Eigenheim zu strahlen, aber es ist verboten, sich mit billigem Fusel aus der Norma oder Bier vom Willi am Jamnitzer zu betrinken. Wer sich den Rausch leisten kann, darf ihn legal haben. Das ist reine Klassenpolitik.

So sieht der Umgang der Stadt und der Polizei mit den Anforderungen, die an diesen Platz gestellt werden, aus.

Wie könnte die vernünftige Harmonisierung der vielfältigen und teils widersprüchlichen Bedürfnisse am Jamnitzerplatz stattdessen aussehen?

Wir fordern die Abschaffung des generellen Alkoholverbots auf öffentlichen Plätzen – am Jamnitzer soll man sich berauschen dürfen.

Für die verschiedenen Bedürfnisse muss es aber eine Bereichseinteilung geben. Der Spielplatz soll kein Ort zum Trinken und Rauchen sein. Scherben und Kippen im Sandkasten sind bescheuert für Kinder.

Niemand hat Lust mit platten Reifen rumzufahren – deswegen sollten die, die beim Feiern Scherben produzieren diese auch wieder wegräumen.

Die Polizei soll ihre Provokationen einstellen und die Menschen am Jamnitzer in Frieden lassen. Selbst unter den beschissenen vorherrschenden kapitalistischen und staatlichen Verhältnissen gibt es Städte, die auf bessere Konzepte als auf Einschüchterung und Überwachung setzen. Zum Beispiel könnten Konsumräume geschaffen, Beratungsangebote und Streetwork ausgebaut werden.

Aber natürlich können auch unsere Lösungsansätze unter den gegebenen kapitalistischen Verhältnissen nicht alle Widersprüche auflösen. In einer Klassengesellschaft, in der notwendigerweise Armut und Elend produziert werden, weil sich der Reichtum bei denen Oben anhöuft, in einer solchen Gesellschaft wird es auch keine harmonischen, problemfreien Plätze geben. Deshalb kämpfen wir für eine sozialistische Gesellschaft, in der Menschen selbstbestimmt ihren Lebensraum gestalten können – ganz egal wie alt sie sind und wie sie aussehen.

Die Plätze denen, die sie nutzen!

Danke.

Veröffentlicht unter Kinder

Werde Zeltlagerpat*in!

Liebe Genoss*in, liebe*r Freund*in,

Wie jedes Jahr fahren wir Nürnberger Falken auf Sommerzeltlager und gründen eine sozialistische Kinder- und Jugendrepublik. Dieses Jahr gehts an den Attersee in Österreich.

Wir möchten es Allen ermöglichen an unserem Zeltlager am Attersee unter dem Motto „Komm mit ins Edelweißpirat*innen-Lager!“ teilzunehmen, egal welchen sozialen Hintergrund sie haben. Wenn wir unsere Kalkulation rein auf staatliche Zuschüsse und Teilnehmendenbeiträge aufbauen, sind die Gebühren für viele Eltern, Jugendliche und auch Helfende nicht aufbringbar. Darum sind wir auf Spenden angewiesen, die dieses Loch füllen.

Wir freuen uns, wenn du die Nürnberger Falken und insbesondere unsere Teilnehmer*innen unterstützen kannst, indem du selbst Zeltlagerpat*in wirst, andere Pat*innen wirbst oder unser Anliegen an deine Kontakte verbreitest.

Wir freuen uns über alle Beträge. Ob mehr oder weniger – jede Spende ist uns wichtig. Wenn du mit einem Betrag unser Zeltlager unterstützt erhältst du natürlich auch eine Spendenquittung.

Weitere Informationen findest auf www.falken-nuernberg.de

Lieben Dank und Freundschaft!

Deine Falken Nürnberg

Betreff: Spende Zeltlager 2020
Kontodaten: SJD-Die Falken Nürnberg
Sparkasse Nürnberg
IBAN: DE10 7605 0101 0001 0565 72
BIC: SSKNDE77XXX

 

Kommt zum Veit-Stoß-Platz. Gegen Polizeigewalt und Rassismus.

#Nicht auf unserem Rücken – Coronakrise aus Kindersicht

Die aktuellen Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie werden auf dem Rücken vieler (https://www.falken-nuernberg.de/?p=3046) ausgetragen. Auch auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen. In den viel berichteten „Öffnungsdiskussionsorgien“ sind Vertreter und (weniger) Vertreterinnen verschiedenster Bereiche dabei. Die Rechte und Meinungen von Kindern sind dabei nur äußerst selten Thema. Auch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin warnte, dass „Kinder und Jugendliche in den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht als Personen mit ebenbürtigen Rechten gesehen [wurden], sondern als potentielle Virusträger.“ Kinder werden als Virenschleudern und Superspreader bezeichnet (z.B. https://web.de/magazine/news/coronavirus/virenschleuder-superspreader-rolle-kinder-coronavirus- pandemie-34652354) sollen inzwischen manchmal wie Hunde vorm Supermarkt warten (https://www.focus.de/familie/eltern/coronavirus-kurzer-schock-im-supermarkt-ihre-kinder- muessen-beim-einkaufen-bitte-draussen-bleiben_id_11822291.html) und werden in den aktuellen Beschlüssen zu (sicherlich notwendigen!) Einschränkungen nur insofern mitgedacht, wie sie Hindernis für die Arbeitskraft der Eltern sind. Alle sozialen Räume in denen Kindern lernen, sich entwickeln, Bindungen eingehen, sich entspannen und spielerisch mit Erlebtem und dazugehörigen Emotionen umgehen können sind ihnen momentan nicht zugänglich. Bezugspersonen und Strukturen brechen weg, die Kindern sonst vielleicht helfen mit unsicheren und beängstigenden Situationen, wie wir gerade eine haben, fertig zu werden. Auch die für psychische und physische Gesundheit notwendige Bewegung, die viele Kinder sowieso zu wenig haben, fällt durch Schließung von Spielplätzen und die strikten Ausgangsbeschränkungen vielfach weg. Kinder können nicht ohne weiteres alleine Joggen gehen, sich alleine mit einer weiteren Person treffen, haben keine*n (Ehe-)Partner*In zum Treffen. Die Ausnahmen der Beschränkungen sind für Erwachsene formuliert.

Auf all diesen Ebenen verschärfen sich soziale Ungerechtigkeiten. Eltern mit weniger Geld haben natürlich mehr Angst vor Bußgeldern und sind nochmal angespannter in der aktuellen Situation. Die Angst vorm Verlust des Arbeitsplatzes, die häufig beengten Wohnräume und weniger Möglichkeiten für Förderung und Beschäftigung der Kinder kommen dazu und bieten in Familien ganz schön viel Zündstoff für Eskalation. Kindern in solchen Situationen fehlen gleichaltrige und auch erwachsene Bezugspersonen wie Lehrer*Innen, Horterzieher*Innen oder Gruppenhelfer*Innen besonders. Ohne eigenes Zimmer, ohne Computer und ohne Eltern, die unterstützen können lernt es sich zu Hause auch viel schwieriger und Bildungsunterschiede vergrößern sich und werden zementiert.

In der aktuellen Krise geraten Kinder – gemeinsam mit vielen anderen Gruppen – besonders aus dem Blick. Wir haben daher – auch als ein Weg, um mit der aktuellen schwierigen Situation umzugehen – eine Telefonumfrage gestartet und Kinder in unserem Bekanntenkreis gefragt, wie es ihnen eigentlich so geht und was sie von der aktuellen Situation halten. Herausgekommen ist ein Brief:

Lieber Herr Söder,

Sie reden immer davon, dass wir uns Zeit lassen müssen, dass wir die Zeit auch haben und die Beschränkungen verlängern können. Aber wir Kinder werden gar nicht gefragt, wie es uns damit geht. Wir wissen, dass wir vorsichtig sein müssen und überlegen müssen, wie das Corona-Virus sich weniger verbreitet, aber zur Zeit geht es vielen Kindern gar nicht gut. Damit auch die Kinder selbst mal was dazu sagen können, haben wir eine Telefonumfrage unter Freundinnen, Freunden und Bekannten gestartet. Alle Kinder fanden an der Situation gerade gar nichts gut! Vor allem macht es alle traurig, dass sie niemanden außer der Familie sehen können. Keine Freundinnen und Freunde, keine Lehrer*Innen und auch keine Horterzieher*Innen. Den ganzen Tag niemanden außer der Familie zu sehen nervt und es gibt viel Streit. Manche habe noch Glück und können zumindest raus in den Garten, aber manche haben auch nur eine kleine Wohnung ohne Balkon. Eine Freundin wohnt zu fünft in einer 3-Zimmer-Wohnung mit kleinen Zimmern. Sie hat kein eigenes Zimmer, wo sie die Tür zumachen kann, wenn jemand sie nervt. Deswegen haben sie einmal draußen ein Picknick gemacht, aber dann wurden sie von der Polizei nach Hause geschickt, weil das verboten war. Das verstehen wir nicht – sie haben doch Abstand zu anderen gehalten! Jetzt darf man zwar wieder zu zweit raus, aber meine Freundin traut sich nicht mehr wirklich und hat Angst, Ärger zu kriegen und Bußgeld zahlen zu müssen. Wenn ich mit ihr telefoniere redet sie auch noch weniger als sonst schon. Eine andere Freundin darf gar nicht mehr raus, weil sie auf ihre kleine Schwester aufpassen muss, weil ihre Eltern arbeiten müssen. In der Notbetreuung im Hort, wo ich jetzt hingehe, wurden wir bei einem Ausflug auch schon von der Polizei kontrolliert, aber unser Horterzieher hatte einen Zettel, dass wir das dürfen.

Viele vermissen auch ihre Lehrerinnen und Lehrer. Es ist zwar gut, nicht so früh aufstehen zu müssen, wie wenn Schule ist, aber zu Hause ist es viel schwerer, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren. Und ich und auch andere Kinder vermissen den Pausenhof. Für Erwachsene ist es vielleicht gut, nur daheim zu sitzen und zu lesen oder zu stricken, aber wir finden das langweilig und kriegen davon schlechte Laune. Und sich mit einer anderen Person zu zweit zu treffen ist für Kinder auf meistens nicht möglich. Und sich per Skype mit anderen zu unterhalten ist nicht richtig sich sehen.
Viele Erwachsene, z.B. die Horterzieher*Innen, schicken schon Bastelpakete, damit es uns besser geht und ich versuche auch, Fotos und Nachrichten an Freund*Innen zu schicken, die noch weniger raus können als ich. Aber trotzdem geht es allen Kindern, mit denen wir telefoniert haben, nicht gut. Bitte sprechen Sie doch in Zukunft auch mit uns und sehen Sie die Welt nicht immer nur aus der Erwachsenen-Sicht.

Kurzer Bericht vom 1.Mai 2020

Natürlich konnte der 1.Mai 2020 nicht so stattfinden wie sonst. Dass er aber ausfallen muss oder dass wir deswegen nicht demonstrieren können – das ist Quatsch und das haben wir heute bewiesen.

 

Als Teil des revolutionären 1.Mai – Bündnisses waren wir heute zunächst auf einer begrenzten Kundgebung am Petra-Kelly-Platz/Bauernplatz vertreten mit der Forderung, dass wir prekären Beschäftigungsverhältnissen endlich den Garaus machen müssen und mit dem Hinweis, dass vom Klatschen kein Mensch Miete bezahlen kann.

 

Im Anschluss haben wir uns am Spaziergang zum 1.Mai beteiligt. Wir sind also mit etwa 900 Genoss*innen durch die Stadt gezogen – alle mit rotem Mundschutz und stets darauf bedacht, dass die Sicherheitsabstände eingehalten und die Schutzmaßnahmen gegen Corona ernst genommen werden.

 

Dabei haben wir Lieder unserer Klasse und Bewegung gesungen: Einheitsfrontlied, Arbeiter*innen von Wien, Brot und Rosen und Bella Ciao. Wir haben „internationale Solidarität“ eingefordert und unser Bekenntnis dazu ausgedrückt. Wir haben deutlich gemacht, dass die Reichen die Krise zahlen sollen. Die Krise darf #nichtaufunseremruecken abgewälzt werden.

Ein großes Danke an all die entschlossenen und mutigen und gut vorbereiteten Genoss*innen heute!

 

Lest unseren Aufruf zum 1.Mai, in dem unsere Forderungen stehen, die wir heute trotz Demonstrationsverbot mit Kreativität und Flexibilität auf die Straße getragen haben: http://www.falken-nuernberg.de/?p=3046

 

Freundschaft!

Falken Nürnberg, 1.Mai 2020

 

 

#nichtaufunseremrücken – unser Arbeiter*innenkampftag

 

Die Corona-Krise und der behördliche Umgang mit ihr trifft nicht alle gleich – er trifft die Menschen so unterschiedlich, wie die Klassen in dieser Gesellschaft unterschiedlich sind (siehe http://www.falken-nuernberg.de/?p=2643).

 

Wir sind Arbeiter*innen, abhängig Beschäftigte, Frauen, Schüler*innen, Studierende, Kinder, Jugendliche, kleine (Schein-)Selbstständige und Geflüchtete – wir arbeiten im Handwerk, im Bildungs-, Erziehungs- und Sozialbereich, im Gesundheits- und Pflegewesen, in der Logistik, im IT-Bereich, im Einzel- und Großhandel. Oder wir werden eines Tages in diesen Bereichen arbeiten. Wir sind die, die heute oder in Zukunft all die schönen Sachen herstellen oder einräumen, die dann verkauft werden können. Wir sind es, die heute oder in Zukunft dafür sorgen, dass wir alle gesund sind, unsere Kinder aufziehen und uns um das ganze „Drumherum“ kümmern.

 

Gerade wird die Abwälzung der Corona-Krise und ihrer wirtschaftlichen Folgen vorbereitet und zum Teil bereits durchgeführt – auf unserem Rücken.

 

Auf dem Rücken der Arbeiter*innen:

Als „Dankeschön“ für die „systemrelevant“ Beschäftigten hat Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil eine Verordnung erlassen, die die Arbeitszeitregelung aufweicht, und damit den 12-Stunden-Arbeitstag vorerst bis Ende Juli befristet eingeführt. Aber wir wissen: das Kapital ist profithungrig und will schon lange den 8-Stunden-Tag zu unseren Lasten beseitigen. Unternehmen, die in der Vergangenheit hohe Profite eingefahren haben und noch immer Dividende ausschütten, werden nun durch staatliche Rettungsschirme geschützt. Die Kurzarbeit bietet den Unternehmer*innen enorme Vorteile, während das Kurzarbeitergeld den Arbeiter*innen hinten und vorne nicht zum Leben reicht. Obendrauf zahlt dieses Kurzarbeitergeld nicht der Betrieb, sondern die Bundesagentur für Arbeit: Die Weiterbeschäftigung wird also faktisch von den Lohnabhängigen selbst finanziert, aus den vorher von ihnen eingezahlten Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung.

 

Wir fordern: 

– die Einführung des 4-Stunden-Arbeitstags bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Zahlen muss das Kapital – in direkter Form oder indirekt über Steuern.

– 100% Lohnfortzahlung durch die Konzerne

– Mindestlohn rauf und Durchsetzung umfassender Tarifverträge statt weiterer Tarifflucht durch Unternehmen

– Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer als Millionärssteuer als ersten Schritt

– längerfristig die Enteignung und Vergesellschaftung der Produktionsmittel

 

Auf dem Rücken der Frauen:

Als ob es selbstverständlich wäre, wird die unbezahlte Care-Arbeit den Frauen aufgebrummt. Wenn KiTas, Pflegeheime, etc. geschlossen werden, müssen Frauen noch mehr als zuvor unbezahlt arbeiten: sie erziehen und schulen die Kinder, pflegen die Alten und Kranken, kochen, putzen und managen die Familie durch die Krise. Zugleich steigt in der Quarantäne oder der Kurzarbeits-Zeit des Mannes die Gefahr von Männergewalt gegen Frauen und Kinder. Die Frauenhäuser sind übervoll, während Hotels leer stehen. Diejenigen Berufe, die die Gesellschaft gerade am Laufen halten und für unser tägliches Überleben sorgen, werden zu 80% von Frauen verrichtet. Das sind die schlecht entlohnten und wenig anerkannten Berufe, für die heute zwar geklatscht, aber immer noch nicht ordentlich gezahlt wird. Obendrauf sind gerade die tendenziell weiblichen Berufe die eher unsicheren: Erzieherinnen in der Notbetreuung haben keine Chance, den Abstand zu den Kindern einzuhalten. Im Einzelhandel ist kein Home Office möglich.

 

Wir fordern:

– Leerstand nutzen. Hotels in kommunale Hand und als Frauenhäuser nutzen

– Förderpaket für Frauenhäuser und feministische NGOs.

– Gleichstellung der Löhne zwischen Männern und Frauen.

– Care-Arbeit muss gerecht verteilt werden

 

Auf dem Rücken der Kinder und Schüler*innen:

Während Baumärkte wieder ihre Pforten öffnen und die Produktion nie konsequent runtergefahren wurde, wurden Spielplätze, Museen, KiTas geschlossen. Auch unsere Kindergruppen dürfen sich gerade nicht treffen. Dabei brauchen Kinder den Kontakt mit anderen Kindern und die Gruppendynamik unter ihnen, um sich wohl fühlen zu können und zu lernen. Die Schule wird in erster Linie vermisst, weil die Kinder am Pausenhof genau diesen Kontakt hatten. Stattdessen sollen sie nun im homeschooling allein lernen. Das ist ungerecht, denn die einen können sich abwechselnd mit beiden Elternteilen hinsetzen und sich durch moderne Technik unterstützt durch die Aufgaben quälen. Den anderen ist das Arbeiten unmöglich, weil sie kein eigenes Zimmer, keinen eigenen Computer oder keine Eltern haben, die ihnen bei den Aufgaben helfen können.

Eine Verschärfung der Bildungsungerechtigkeit und eine sich immer weiter öffnende soziale Schere werden damit billigend in Kauf genommen.

Die kaputtgesparte öffentliche Bildung ist nicht in der Lage, vernünftige Schutzmaßnahmen zu treffen. Dadurch ist die von der Politik angestrebte Schulöffnung um jeden Preis mit einen enormen körperlichen und psychischen Risiko für Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen verbunden.

 

Wir fordern: 

– konsequente Schließung des Schulbetriebs

– Öffnung von Kindergruppen in verantwortlicher und sicherer Weise

– sofortige Wiederöffnung der Spielplätze – außerdem Schaffung neuer, größerer Spielplätze, um Abstände einhalten zu können.

– Keine Schulprüfungen bis zum Ende der Pandemie

 

Auf dem Rücken der Jugend und kommender Generationen:

Wenn heute mit Geld für Unternehmen um sich geworfen wird, wird es morgen um so härter eingespart werden. Das heute für die Kapitalisten ausgegebene Geld wird sich der Staat von anderer Seite wiederholen, sodass es wieder heißen wird: Für Kultur, Kunst, ein ordentliches Gesundheitswesen, für Jugendarbeit und sanierungsbedürftigeSchultoiletten sei ja leider kein Geld da.


Wir fordern:

– spürbar bis massiver finanzieller Ausbau der freien, kommunalen und vor allem der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit

– Die Unterstützung von selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentren, Jugendvereinen und Vereinsstätten, sowie Zeltplätzen, damit uns auch nach Corona mehr als die kommerzielle Kultur bleibt.

– Umnutzung der leerstehenden Schulgebäude als Beratungs- und Zufluchtsort für Kinder und Jugendliche, die es zu Hause nicht mehr aushalten.

Auf dem Rücken von Menschen mit Behinderung:

Noch immer müssen z.B. gehörlose Menschen barrierefreie Informationen über Pandemie und Maßnahmen einfordern,und das, obwohl es um Leben und Tod geht. Menschen müssen leben können wie sie wollen. „Sachzwänge“ führen dazu, dass Menschen in Einrichtungen leben müssen. In der Pandemie zeigt sich wie gefährlich die Konzentration vieler gefährdeter Menschen auf engem Raum ist. Obendrauf werden in der Pandemie ohnehin bereits isolierte Menschen noch stärker isoliert, sie werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Die Kapitalisten und Liberalen nehmen mittlerweile eine höhere Zahl an Toten in Kauf, um ihren wirtschaftlichen Schaden zu minimieren. Das fußt auf der Prämisse, dass sich die Fitteren durchsetzen und schwächere Glieder der Gesellschaft ihnen falls notwendig geopfert werden müssen. Ihre Vorstellungen von Gesellschaft tragen im Kern die Eugenik schon in sich. Diesen menschenverachtenden Vorstellungen müssen wir den Kampf ansagen!


Wir fordern:

– Barrierefreiheit in der Informationspolitik

– Dezentralisierung und Schaffung von Strukturen, die ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft für alte und behinderte Menschen ermöglichen

– konsequente Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung in öffentlichen Entscheidungen, ausgehend von der Selbstorganisierung ihrer Bewegungen

– konsequente Schutzmaßnahmen für Personal und Bewohner*innen von Heimeinrichtungen für Menschen mit Behinderung; es muss auch dort Handschuhe, Masken, etc. für Alle geben!

Auf dem Rücken der Geflüchteten und der Migrant*innen:

Die deutsche Agrarindustrie konnte durchsetzen, dass zehntausende Billig-Lohn-Erntehelfer*innen aus Rumänien eingeflogen wurden. Dem Kapital wurden die Grenzen für den Transport von Arbeitskräfte geöffnet. Zur gleichen Zeit sitzen Geflüchtete in den Lagern an den EU-Außengrenzen fest, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen festhängen und an einem sicheren Leben gehindert werden. In den Gemeinschaftsunterkünften in Deutschland werden Menschen zusammengepfercht, ohne dass sie auch nur eine Chance hätten, Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.

 

Wir fordern:

– sofortige Evakuierung der Lager an den EU-Außengrenzen. Über Rettung von Menschenleben darf nicht diskutiert werden. Wir haben Platz!

– Wiedereinführung des Grundrechts auf Asyl. Dublin II abschaffen.

– adäquate Kinderbetreuung in den Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete zur Entlastung der Eltern/Mütter solange diese in Quarantäne sind

– Mindestens Mindestlohn für Erntehelfer*innen und andere migrantische Arbeiter*innen und die starke Kontrolle von Schutzmaßnahmen

– Konsequente Verfolgung und Bekämpfung von Menschenhandel, auch in Krisenzeiten!

Die aktuelle und die kommenden Krisen  sollten nicht unsere Krisen sein – lasst die Kapitalist*innen, die Bosse und die Manager*innen zahlen! Sie fahren stets die Profite ein, die wir erarbeiten. Wenn diese nun ausbleiben, darf das nicht unser Problem sein. Wir wehren uns dagegen, dass erneut die Verluste vergesellschaftet, aber die Gewinne privatisiert werden. Wir lehnen das nationale „Wir“ ab, das jetzt angeblich den Gürtel enger schnallen muss, um den Reichen das Ausbleiben ihrer Gewinne auszubügeln. Stattdessen wählen wir das „Wir“, das sich wehrt. Es ist die Krise der Kapitalist*innen, nicht unsere. Wir werden nicht zulassen, dass sie sie auf unserem Rücken abwälzen. Durch die Pandemie wird die schon länger heranziehende Weltwirtschaftskrise beschleunigt und verstärkt. Mögen die Kapitalist*innen so viel jammern wie sie wollen: für uns zeigt sich jetzt so deutlich wie nie, dass wir eine befreite Gesellschaft brauchen, welche sich nach unseren Bedürfnissen statt nach Profiten richtet!

 

Der 1. Mai ist der Kampftag der Arbeiter*innenklasse. Wir kämpfen für höhere Löhne, geringere Arbeitszeiten, (geschlechter-)gerechte Verteilung der Arbeit, Kinderrechte, Bildungsgerechtigkeit und eine klassenlose Gesellschaft, in der wir sicher, frei und solidarisch leben können.

Deshalb: Lasst euch nicht von der Corona-Lethargie und Einsamkeit einschüchtern oder lähmen. Am 1.Mai kann man viel machen, um seine Unzufriedenheit und Kritik an dem, was uns angetan wird, auszudrücken – ohne sich oder andere zu gefährden.

 

Wir schlagen euch folgende AKTIVITÄTEN für den 1.Mai vor:

    

   Aktivität 1: hängt Falkenfahnen oder rote Fahnen aus eurem Fenster, von euren Balkonen oder an euer Auto oder Fahrrad und zeigt, dass ihr Teil der sozialistischen Arbeiter*innen-Bewegung seid

 

   Aktivität 2: spielt Lieder ab – beschallt die Nachbarschaft aus euren Fenstern, von den Balkonen oder aus euren mobilen Boxen – dazu gibt es folgende spotify-Playlist, die ihr nutzen könnt: https://open.spotify.com/playlist/1Nn5ZMWU0hIsJ0GQSPBn5I?si=dLHqYF4BReis2tme8LeI1A

 

   Aktivität 3: singt Arbeiter*innenlieder, wir schlagen euch folgende vor: 

https://www2.wir-falken.de/uploads/gruppenbuch_end_10.pdf

https://www.marxists.org/subject/art/music/lyrics/de/die-einheitsfront.htm

https://www.anarchismus.at/kulturbewegung/liedtexte/5998-brot-und-rosen

http://www.kommunisten.ch/index.php?article_id=68

 

 Aktivität 4: Bastelt Papierflieger mit euren Forderungen, ihr könnt gerne welche aus den unseren von oben übernehmen und lasst sie in die Stadt fliegen

 

Aktivität 5: Bemalt eure Straße mit Straßenmalkreide, damit alle lesen können, was ihr wollt – aber passt auf Autos auf.

 

Aktivität 6: Malt große Banner und Transparente oder Plakate und hängt sie auf, in der Stadt, am Fenster oder im Kinderzimmer. Hier findet ihr Vorlagen zum Drucken: http://www.falken-nuernberg.de/?p=3033

 

Aktivität 7: checkt folgende Seiten für weitere Infos, was an dem Tag möglich ist.

    www.redside.tk

    https://www.facebook.com/events/243955100303885/

Aktivität 8: Filmt oder fotografiert, was ihr an dem Tag cooles macht, was ihr fordert und wofür oder wogegen ihr seid. Schickt es uns auf Facebook oder Instagram oder postet es selbst unter dem Hashtag #nichtaufunseremrücken.

 

Gebt Corona keine Chance! Achtet stets auf Abstand zu Anderen und tragt Mundschutz. Am Besten natürlich einen roten. 

Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken in Nürnberg

 

 

Aufruf 1Mai