{"id":2573,"date":"2020-01-26T18:39:41","date_gmt":"2020-01-26T16:39:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/?p=2573"},"modified":"2020-01-26T18:47:05","modified_gmt":"2020-01-26T16:47:05","slug":"27-januar-tag-der-befreiung-vom-nationalsozialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/?p=2573","title":{"rendered":"27. Januar &#8211; Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus"},"content":{"rendered":"<p>Die VVN-BDA N\u00fcrnberg hat heute eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz organisiert. Wir wurden auch eingeladen, eine Rede zu halten. Herzlichen Dank an R\u00fcdiger L\u00f6ster f\u00fcr die Fotos. Unsere heutige Rede, in der wir unter anderem zur antifaschistischen Einheitsfront aufgerufen und die nationalistische Art des Gedenkens kritisiert haben, k\u00f6nnt ihr unten nachlesen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83747964_161927481771946_700079570463752192_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2575\" src=\"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83747964_161927481771946_700079570463752192_n.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83747964_161927481771946_700079570463752192_n.jpg 960w, https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83747964_161927481771946_700079570463752192_n-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83747964_161927481771946_700079570463752192_n-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83747964_161927481771946_700079570463752192_n-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83657342_188476155879193_6773965940431257600_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2574\" src=\"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83657342_188476155879193_6773965940431257600_n.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83657342_188476155879193_6773965940431257600_n.jpg 640w, https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83657342_188476155879193_6773965940431257600_n-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83864103_182257079525533_1806923128320819200_n-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2576\" src=\"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83864103_182257079525533_1806923128320819200_n-1.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83864103_182257079525533_1806923128320819200_n-1.jpg 960w, https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83864103_182257079525533_1806923128320819200_n-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83864103_182257079525533_1806923128320819200_n-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/83864103_182257079525533_1806923128320819200_n-1-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Liebe Freunde und Freundinnen, liebe Genossen und Genossinnen, liebe Antifaschisten und Antifaschistinnen,<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich wurde vor etwa einem Jahr von meinem Genossen Georg von der VVN-BDA eingeladen, heute eine Rede zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu halten. Ich hatte also lange Zeit, mir zu \u00fcberlegen, was f\u00fcr mich und f\u00fcr meinen Verband, die Falken, Gedenken eigentlich bedeutet. Warum gedenken wir? Ein Sozialphilsoph und Kommunist hat dazu einst geschrieben:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> \u201eHitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen: ihr Denken und Handeln so einzurichten, da\u00df Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts \u00c4hnliches geschehe.\u201c <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Daraus leitet sich ab, dass wir \u2013 auch im Stande unserer Unfreiheit in der kapitalistischen Gesellschaft \u2013 eine spezifische Verantwortung haben, die sich aus dem Geschehenen, aus Auschwitz ableitet. Gedenken bedeutet also f\u00fcr uns, aus dem Geschehenen eine Verantwortung f\u00fcr heute zu \u00fcbernehmen. Wie und woraus leiten wir sie aber konkret als junge Sozialisten und Sozialistinnen ab?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir leiten unsere Verantwortung nicht aus den Taten unserer Gro\u00df- oder Urgro\u00dfeltern ab. Ebenso wenig leiten wir sie aus der Tatsache ab, dass die meisten von uns Deutsche sind oder dass wir in Deutschland leben. Heute versucht der Staat, uns einzugemeinden durch die vermeintlich kollektiv geteilte Verantwortung aller Deutschen. Das f\u00fchrt so weit, dass die neue, staatlich forcierte nationale Identit\u00e4t \u00fcber ein Bekenntnis zur Schuld hergestellt werden soll. Das Holocaust-Mahnmal in Berlin \u2013 von dem Gerhard Schr\u00f6der sich w\u00fcnschte, dass man gerne hingeht \u2013 steht daf\u00fcr exemplarisch. Diese nationale Sinnstiftung lehnen wir ab, denn aus ihr ist keine Lehre und keine Erkenntnis f\u00fcr heute zu ziehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schlimmer noch, sie macht dumm. K\u00fcrzlich fand der Gedenktag zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Yad Vashem, der israelischen Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Opfer der Shoa, statt. Dort sprachen neben Frank-Walter Steinmeier auch Putin und Netanyahu. Die Rede Steinmeiers enthielt viel richtiges. Emp\u00f6rend falsch waren jedoch die Kommentare von Sabine M\u00fcller von der Tagesschau \u00fcber das angeblich unw\u00fcrdige Verhalten Israels und Russlands. Ich will meine und unsere Kritik daran kurz ausf\u00fchren, da Sabine M\u00fcller hier wom\u00f6glich als repr\u00e4sentative Stimme desjenigen Teils der deutschen Bev\u00f6lkerung betrachtet werden darf, der sich als gel\u00e4utert gibt und vorgibt, aus der Geschichte gelernt zu haben. Au\u00dferdem will ich damit kurz erl\u00e4utern, wie Gedenken nicht sein darf. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sabine M\u00fcller warf den Staatsvertretern Netanyahu und Putin vor, sie h\u00e4tten im Yad Vashem ihre \u201eeigene erinnerungspolitische Privatparty\u201c gefeiert. Und zwar unter anderem dadurch, dass sie sich erdreistet h\u00e4tten, in Jerusalem ein Denkmal zur Erinnerung an die Belagerung Leningrads einzuweihen. Die Belagerung Leningrads, bei der die deutsche Wehrmacht die zivile Bev\u00f6lkerung systematisch verhungern lie\u00df und der 1,1 Millionen Sowjetb\u00fcrger zum Opfer fielen, steht symbolisch f\u00fcr die deutsche Vernichtungspolitik im Osten, die zutiefst von Antisemitismus, Rassismus und Antikommunismus gepr\u00e4gt ist. Es steht niemandem, schon gar nicht einer Vertreterin des deutschen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks zu, das Gedenken daran als \u201eerinnerungspolitische Privatparty\u201c zu verunglimpfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Sabine M\u00fcller<\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"> erdreistete sich sogar, Israel und Russland vorzuwerfen, den Gedenktag zu kapern. <\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Ihre Begriffswahl und ihr gleichzeitiges Lob auf die Rede des deutschen Bundespr\u00e4sidenten leg<\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">en<\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"> nahe, dass das Gedenken an den Holocaust in deutsches Eigentum \u00fcbergegangen ist. Sie vermittelt damit: Wir Deutschen haben seit Jahrzehnten flei\u00dfig aufgearbeitet, das ist jetzt unser Jahrestag, den wir uns nicht von den Russen und den Israelis einfach kapern lassen. <\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Ein solche<\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">r Umgang mit<\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"> Gedenken ist nationalistisch und versucht, nationalen und moralischen Mehrwert aus <\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">dem Nationalsozialismus zu sch\u00f6pfen. <\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Das kritisieren wir ausdr\u00fccklich.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr uns als junge Sozialist*innen erfolgt die Verantwortung aus dem Geschehenen, uns gegen Faschismus und Nationalsozialismus einzusetzen, weil wir ein konkretes Interesse daran haben. Wir wollen den Faschisten etwas entgegensetzen, weil wir wissen, dass unsere Lebens-, Arbeits- und Kampfbedingungen in einer b\u00fcrgerlichen Demokratie bei allen Zumutungen denen in einer faschistischen Volksgemeinschaft vorzuziehen sind. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir bek\u00e4mpfen die Faschisten nicht, weil sie der Reputation Deutschlands in der Welt schaden, sondern weil sie uns und unsere durch Flucht und Exil zu Klassenbr\u00fcdern und -schwestern gemachten Kollegen und Kolleginnen, die wir im Klassenkampf auf unserer Seite brauchen, gegen uns ausspielen, abschieben oder ermorden wollen. Weil sie die uns so verhasste Konkurrenz zur Biologie erkl\u00e4ren und die Menschen aussortieren wollen, die anders aussehen, anders denken, anders f\u00fchlen als die Mehrheit der Menschen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir bek\u00e4mpfen die Faschisten nicht, weil wir uns als m\u00fcndige Staatsb\u00fcrger dazu berufen f\u00fchlen, sondern weil sie unsere feministische Emanzipation und die eng gesteckten, erk\u00e4mpften Freiheitsbereiche f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen zur\u00fcckdr\u00e4ngen wollen und M\u00e4nnlichkeit nur als Synonym f\u00fcr Herrschaft, H\u00e4rte und Unterwerfung denken k\u00f6nnen und sie damit eine ganz konkrete Bedrohung f\u00fcr alle Geschlechter sind.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und wir stellen uns gegen die Nationalisten, weil diese uns und unsere Pl\u00e4ne f\u00fcr ein friedliches, freies, gerechtes und sicheres Leben angreifen \u2013 verbal, k\u00f6rperlich, mit Gesetzen, auf der Stra\u00dfe und in den Parlamenten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieses freie, sichere, gerechte, friedliche Leben, das wir anstreben, is allerdings auch im real existierenden Kapitalismus heute und jetzt nicht gegeben. Sehr viele Menschen in diesem Land k\u00f6nnen sich nicht sicher sein, dass der Arbeitsplatz und damit die Lebensgrundlage langfristig behalten, die Miete weiterhin bezahlt, die Strom- oder Gasrechnung beglichen werden kann. Viele von uns wissen nicht, ob sie nicht in K\u00fcrze in einen Abschiebeflieger gepackt und wom\u00f6glich vom neuen Albrecht-D\u00fcrer-Abschiebeflughafen in Krieg und Elend geschickt werden. Die Meisten wissen nicht, woher sie die Zeit nehmen sollen, um mit ihren Kindern zu spielen, weil ein Job allein l\u00e4ngst nicht mehr zum Leben reicht. Oder sich mit Freunden treffen. Oder entspannen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Staat, Nation und Kapitalismus herrschen fort \u2013 in all ihrer Brutalit\u00e4t. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren genau das die gesellschaftlichen Voraussetzungen f\u00fcr den Nationalsozialismus. An diesen Grundvor<span style=\"color: #000000;\">aussetzungen hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Es kann also wieder geschehen, was geschah.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Grundvoraussetzungen \u2013 die wirtschaftliche Einrichtung unserer Gesellschaft und ihr zugeh\u00f6riger Staat \u2013 mit ihren Unsicherheiten und ihrem Krisenpotenzial schlagen sich in den Einzelnen nieder. Die Menschen werden gepr\u00e4gt von b\u00fcrgerlicher K\u00e4lte. Gefangen in dem b\u00fcrokratisierten Hauen und Stechen unserer total verwalteten Konkurrenzgesellschaft machen sie sich \u2013 und da kann auch ich mich nicht ausnehmen \u2013 kalt gegeneinander. Wie sollte man sonst mit den allt\u00e4glichen Schreckensnachrichten umgehen, die wir in der patriarchalen Konkurrenzwelt erleben m\u00fcssen. Wir werden kalt, um nicht an der Trauer und den Verletzungen zugrunde zu gehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Nationalisten und Faschisten treiben diese psychische Grundverfasstheit der Menschen im Kapitalismus auf ihre menschenverachtende Spitze. Sie rotten sich zusammen, nicht um die K\u00e4lte zu beseitigen, sondern um sie zu verherrlichen und in m\u00f6rderischem Zynismus an anderen abzureagieren. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sie sind f\u00fcr Erfahrungen nicht mehr zug\u00e4nglich, schaffen ihre eigene, falsche Wahrheit und sind \u00fcberzeugt, im Recht zu sein. Selbst das bestialische Sterben ist ihnen ein Fest. Sie verdr\u00e4ngen das Sterben von Menschen nicht mehr nur, sondern zelebrieren und feiern es: \u201eAbsaufen!\u201c Sie sind selbsterkl\u00e4rte Feinde der Menschlichkeit.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Feinde der Menschlichkeit von 1933 waren auch nach 1945 \u2013 bis auf verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenige Ausnahmen \u2013 nicht verschwunden. Die M\u00f6rder und ihre Unterst\u00fctzer*innen lebten zu gro\u00dfen Teilen weiter, oft in hohen Positionen in der Bundesrepublik, bis sie friedlich einschliefen. Eine Entnazifizierung, die ihren Namen verdient, fand nicht statt. Im Gegenteil: In der Bundesrepublik wurden die alten Nazis nicht nur zum Personal vieler staatlicher Einrichtungen, sondern auch zu den Architekten dieser Institutionen. Beim Verfassungsschutz \u2013 dessen Abschaffung mehr als \u00fcberf\u00e4llig ist \u2013 waren ma\u00dfgeblich ehemalige Mitglieder der Gestapo, der SS und des nationalsozialistischen Sicherheitsdienstes t\u00e4tig. Der erste Pr\u00e4sident des Verfassungsschutzes, Hubert Schr\u00fcbbers, war zuvor erst SA-, sp\u00e4ter SS-Mitglied und nationalsozialistischer Staatsanwalt. Seine Institution sorgte in antikommunistischen Furor mit daf\u00fcr, dass 1956 wieder Kommunist*innen und Antifaschist*innen in deutschen Gef\u00e4ngnissen sa\u00dfen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die alten Nazis sind gr\u00f6\u00dftenteils tot. Die institutionelle Architektur, die sie geschaffen haben, besteht fort. Der Verfassungsschutz ist nicht reformierbar, er muss als antidemokratisches Erbe des Nationalsozialismus abgeschafft werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ausgerechnet f\u00fcr heute haben die CSU Langwasser und Marcus K\u00f6nig den k\u00fcrzlich aus dem Amt entfernten Verfassungsschutzpr\u00e4sidenten Hans Georg Maa\u00dfen eingeladen. Er ist als Rechtsextremist einer der selbsterkl\u00e4rten Feinde der Menschlichkeit. Er vertritt eine obskure Extremismusdoktrin. Diejenigen, die sich dem Faschismus und dem Rechtsruck entgegenstellen sind nach dieser wahnhaften Extremismustheorie ebenso gef\u00e4hrlich f\u00fcr Demokratie und Freiheit, wie diejenigen, die eine autorit\u00e4re Diktatur errichten wollen, die Angriffe ver\u00fcben auf Sozialdemokrat*innen (man denke an den Anschlag auf Karamba Diaby in Halle), auf Juden und J\u00fcdinnen (man denke an den Mordanschlag auf die Synagoge in Halle), auf Gefl\u00fcchtete, Kommunist*innen und Andersdenkende.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach diesen Vorstellungen hat sich die Rote Armee, indem sie vor 75 Jahren Auschwitz befreit hat, damit ebenso schuldig gemacht, wie die deutsche Armee und die SS. Pfui teufel zu einem solchen revisionistischen Gerede. Und pfui teufel an diejenigen, die einen Tag vor dem Tag der Befreiung vom Faschismus einem f\u00fchrenden Rechtsextremisten und L\u00fcgenbaron wie Hans-Georg Maa\u00dfen eine B\u00fchne schenken.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was aber brauchen wir, um die stets verharmlosten, aber brandgef\u00e4hrlichen Faschisten in diesem zu Land zu bek\u00e4mpfen, die sich auf den Tag X vorbereiten und bereits Waffen, Leichens\u00e4cke, Namen und Adressen von politischen Gegnern sammeln?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir m\u00fcssen ihnen den gedanklichen Nachschub abschneiden. Das bedeutet eine konsequente \u00c4chtung von Nazis und der AfD. Wir m\u00fcssen eine Einheitsfront der antifaschistischen Kr\u00e4fte schaffen. Das bedeutet, wir m\u00fcssen darauf hinarbeiten, die Spaltung der klassischen Vertretungen der Arbeiter*innen wo immer m\u00f6glich zu beenden. Das wird gerade der SPD, der ich an dieser Stelle zum Parteiausschluss von Thilo Sarrazin gratulieren m\u00f6chte, einiges abverlangen. Sie muss weiterhin und wieder verst\u00e4rkt auf der Seite der Antifaschist*innen stehen. Unsere Genoss*innen von den Jusos, die w\u00e4hrend der PEGIDA-Demos in N\u00fcrnberg mit viel Durchhalteverm\u00f6gen Antifa-Arbeit gemacht haben, sind daf\u00fcr gutes Vorbild. Die SPD darf nicht den Extremismusbl\u00f6dsinn befeuern, sondern diesen Wahn auch als Wahn betrachten. Alle Mitglieder der SPD m\u00fcssen ihren Einfluss nutzen \u2013 bestehe er auch nur darin, einen Brief an Olaf Scholz zu schreiben \u2013, um die drohende Zerschlagung der VVN-BDA zu stoppen. Oder konsequent verhindern, dass die NPD in N\u00fcrnberg ihre Propaganda \u00fcber die Stadtreklame verbreiten kann.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine antifaschistische Einheitsfront wird aber auch den sozialistischen Parteien, Verb\u00e4nden und Gruppen viel abverlangen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine Einheitsfront gegen Faschismus kann es nicht geben, wenn einer Partei und vor allem den einzelnen Mitgliedern permanent Vorw\u00fcrfe f\u00fcr die Fehler ihrer Partei gemacht werden. Versteht mich richtig: Hartz4 und die Neoliberalisierung der Gesellschaft haben sicherlich dem Faschismus die Chancen verbessert, etwa weil sie mit ihrer L\u00fcge der Alternativlosigkeit und ihrem Antisozialismus den Menschen nur mehr die Verschlimmerung, Extremisierung des ohnehin Bestehenden als Alternative l\u00e4sst. Die AfD nennt sich ja gerade deshalb Alternative, weil sie wei\u00df, dass die Mehrheit der Menschen eine Alternative zum Kapitalismus sucht. Sie ist jedoch ebenso wenig Alternative wie ihr nationalsozalistischer Fl\u00fcgel sozialistisch ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ja, es stimmt, die Neoliberalisierung der Gesellschaft wurde ma\u00dfgeblich von der SPD politisch umgesetzt. Das Vertrauen ist also verst\u00e4ndlicherweise ersch\u00fcttert.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir als Sozialist*innen m\u00fcssen jedoch \u2013 zum Zwecke der Einheitsfront gegen Faschismus und gegen die Verschlechterung unserer Situation \u2013 neues Vertrauen schenken und uns nicht in Trotz, sondern in Offenheit zeigen. Insbesondere zur Parteibasis, die in der Regel links von ihrer F\u00fchrung steht, gilt es Br\u00fccken aufrechtzuerhalten oder aufzubauen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Uns wird es sonst ergehen, wie unseren sozialistischen und sozialdemokratischen Klassenbr\u00fcdern und -schwestern von 1933, die erst in den Konzentrationslagern wieder vereint waren. Dem gilt es unbedingt zuvorzukommen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was also bedeutet Gedenken f\u00fcr uns?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hitler hat uns als Menschen einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen. Wir m\u00fcssen verhindern, dass die Menschenfeinde gewinnen, dass sie wieder tun k\u00f6nnen, was sie tun wollen: Morden, vernichten, beherrschen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gedenken hei\u00dft nicht nur Betroffenheit, die uns \u2013 wenn wir uns mit den Erfahrungen, den Bildern, den Berichten und Schilderungen von Auschwitz befassen \u2013 notwendig \u00fcberkommt. Wir k\u00f6nnen und wir wollen auch garnicht in dieser Betroffenheit verharren. Wir halten es mit dem Schwur von Buchenwald: Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist und bleibt auch unsere Losung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gedenken hei\u00dft also Widerstand. Widerstand etwa gegen den bayerischen Verfassungsschutz, der die VVN-BDA als Linksextremisten verunglimpft. Widerstand gegen die daraus resultierenden Versuche, der VVN-BDA die Gemeinn\u00fctzigkeit zu entziehen. Widerstand gegen die Pl\u00e4ne der AFD, uns Falken und weitere, vielf\u00e4ltige Jugendverb\u00e4nde zu verbieten und so die Jugend im Geiste des Nationalsozialismus gleichzuschalten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gedenken hei\u00dft nachdenken. Und nachdenken erfordert auch Ruhe. Gedenken hei\u00dft f\u00fcr uns also auch zur Ruhe kommen, sich Zeit nehmen und sich der b\u00fcrgerlichen K\u00e4lte zu entziehen. Gedenken hei\u00dft deshalb neben dem Kampfe auch, Trauer, Angst und Schmerz zuzulassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und Gedenken hei\u00dft f\u00fcr uns auch, das Erbe unserer ermordeten Genossen und Genossinnen anzutreten. Wir wollen ihren Kampf f\u00fcr eine Welt ohne Angst und zwischenmenschliche K\u00e4lte fortf\u00fchren. Daraus erw\u00e4chst f\u00fcr uns die Pflicht, denen mit allen Mitteln den Garaus zu machen, die diese K\u00e4lte bejahen und zur Grundlage ihres Denkens und Handelns machen. F\u00fcr uns gilt also nach wie vor das Credo von Rosa Luxemburg: \u201eMensch bleiben, trotz alledem!\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Danke.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die VVN-BDA N\u00fcrnberg hat heute eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz organisiert. Wir wurden auch eingeladen, eine Rede zu halten. Herzlichen Dank an R\u00fcdiger L\u00f6ster f\u00fcr die Fotos. Unsere heutige Rede, in der wir unter anderem zur &hellip; <a href=\"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/?p=2573\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2573","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2573","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2573"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2573\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2578,"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2573\/revisions\/2578"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}