{"id":2058,"date":"2018-09-18T08:33:39","date_gmt":"2018-09-18T06:33:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.falken-nuernberg.de\/?p=2058"},"modified":"2018-09-18T08:34:51","modified_gmt":"2018-09-18T06:34:51","slug":"zwietracht-saeen-wo-einigkeit-herrscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.falken-nuernberg.de\/?p=2058","title":{"rendered":"Zwietracht s\u00e4en wo Einigkeit herrscht"},"content":{"rendered":"<h1>Sehr geehrte Frau Sieble,<\/h1>\n<h2>Mit Erschrecken haben wir Ihren Artikel <a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.de\/artikel\/herz-statt-hetze-bleibt-fader-beigeschmack\">\u201eHerz statt Hetze: Es bleibt ein fader Beigeschmack\u201c<\/a> zur Kenntnis genommen.<\/h2>\n<p>Beim Lesen Ihres Artikels dr\u00e4ngt sich uns eine Frage besonders auf: Woher kommt bei Ihnen\u00a0dieses dringende Bed\u00fcrfnis, sich ausgerechnet von linken Gruppen abzugrenzen, obwohl kurz zuvor tausende gewaltt\u00e4tige Nazis durch Ihre Stadt marschiert sind? Gerade die Menschen von denen Sie sich abzugrenzen suchen, sind \u00fcberall in Deutschland wichtige Rollentr\u00e4ger*innen im Kampf gegen drohende Faschisierung. Sich auf der einen Seite \u00fcber die gro\u00dfe Anzahl an Menschen, welche sich gegen Nazis engagieren, zu freuen, aber sich auf der anderen Seite von einem entscheidenden Teil dieser Akteur*innen zu distanzieren, halten wir f\u00fcr widerspr\u00fcchlich. Eine weitere Frage ist, weshalb Sie so traurig \u00fcber die Ankunft der radikalen Linken in Chemnitz sind und diese als fr\u00f6hlich-unbedarfte Demotourist*innen beschimpfen. Auch wir Falken betreiben antifaschistische (Bildungs-)Arbeit und sind nach Chemnitz gefahren, um gegen die Faschist*innen auf die Stra\u00dfe zu gehen. Wir sind stolz darauf Antifaschist*innen zu sein und wundern uns nun doch sehr, weshalb eine SPD-Politikerin eher bei unserem Anblick, als bei dem Anblick von Rechtsradikalen traurig wird. Nun ist Trauer erst einmal ein Gef\u00fchl und kein Argument. Noch dazu ein Gef\u00fchl, das wir im Bezug auf Antifaschismus nicht nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie beklagen, dass der get\u00f6tete Mensch in den Hintergrund getreten w\u00e4re. Es waren die Rechten, die dieses Verbrechen f\u00fcr ihre Hetze nutzten. Der Grund f\u00fcr das daraufhin stattfindende Konzert war, sich gegen Nazis, die vermeintliche Ausl\u00e4nder*innen jagten und gegen deren Instrumentalisierung eines Verbrechens zu stellen \u2013 also mitnichten eine reine Trauerfeier. Den Nazis kein Fu\u00dfbreit die Stadt zu \u00fcberlassen, darum ging es und das hat funktioniert. Das hat funktioniert, weil sich tats\u00e4chlich die verschiedensten Menschen und Gruppen an diesem Tag \u00fcber dieses eine Ziel einig waren, n\u00e4mlich antifaschistisch zu handeln.\u00a0\u201eDie Antifa\u201c kann sich dabei aus sozialdemokratischen, gewerkschaftlichen, kommunistischen, anarchistischen und teils sogar kirchlichen Gruppen oder Personen zusammensetzen. Je nach Begebenheit vor Ort gelingt es dann mehr oder weniger erfolgreich breite B\u00fcndnisse gegen Faschist*innen aufzustellen. Dem entsprechen dann auch die jeweiligen Aktionsformen. Antifaschismus kann sich demnach in Vielem \u00e4u\u00dfern und hat dem innewohnenden Sinn folgend keine Bedingungen, au\u00dfer dabei erfolgreich sein zu wollen. Sie, Frau Sieble, spalten mit Ihrem Kommentar und diskreditieren Menschen, deren Ziel es ist, immer und \u00fcberall antifaschistisch zu handeln. Das ist absurd. Viel mehr sollten wir alle es doch unterst\u00fctzen, dass sich mehr und mehr Menschen offen und klar gegen Faschismus positionieren, sodass sich niemand \u00fcberhaupt traut rechte Vernichtungsphantasien zu \u00e4u\u00dfern. Und nicht \u201edie Antifa\u201c als ein neues Schimpfwort pflegen. Was Sie mit Ihrem Artikel bewirken wollen, ist\u00a0 eine Spaltung, die wir f\u00fcr gef\u00e4hrlich halten.\u00a0 Eine Trennung zwischen \u201eguten, gem\u00e4\u00dfigten Linken\u201c und \u201eb\u00f6sen, radikalen Linken\u201c. Und das an jenem Tag, an dem eine linke Bewegung in Deutschland etwas geschafft hat, was Sie wirklich nicht oft von sich behaupten kann: Ein breites wirksames B\u00fcndnis gegen Rechts einzugehen, das sich bis ins b\u00fcrgerlich-konservative Lager ausweitete.<\/p>\n<p>Wir haben das Gef\u00fchl, dass mal wieder die Antifa als S\u00fcndenbock herhalten soll, um sich, in Abgrenzung zu dieser Bewegung, die \u201ebrave, schweigende Mitte\u201c warmzuhalten. Wir hoffen, dass Ihnen bewusst ist, dass dieses Narrativ vor allem den Faschist*innen in die H\u00e4nde spielt, die sich so n\u00e4mlich dazu stilisieren k\u00f6nnen, in der geschaffenen Abgrenzung zur Antifa, die \u201enormalen B\u00fcrger\u201c zu sein. Um eine gem\u00e4\u00dfigte Mitte als W\u00e4hler*innen zu gewinnen, hilft es nicht einer von rechts getragenen Extremismustheorie aufzusitzen. Viel hilfreicher dabei w\u00e4re es, klar und deutlich zu seiner Meinung zu stehen und nicht diejenigen zu diffamieren, die diese Meinung teilen. Auch wenn Ihrer Traurigkeit gegebenenfalls eine Angst vor linken Gewalttaten zu Grunde liegt, vergessen Sie bitte nicht den entscheidenden Unterschied: Das Programm Linker ist es, ein gutes Leben f\u00fcr alle Menschen zu erm\u00f6glichen. Rechte hingegen m\u00f6chten diejenigen, die von ihren engen Normen abweichen, wegsperren und t\u00f6ten. Zum Abschluss ein Zitat aus einem Artikel von Margarete Stokowski, der auf \u201eSpiegel Online\u201c zu lesen ist: \u201eDie Antifa leistet in Deutschland einen ganzen Haufen Bildungs-, Informations- und Mobilisierungsarbeit, die dazu beitr\u00e4gt, dass es in diesem Land nicht noch d\u00fcsterer wird, und wer all das ausblendet, hat entweder sch\u00e4big recherchiert oder will es nicht besser wissen.\u201c<\/p>\n<p><em>Dieses Statement ist unsere Antwort auf den Artikel: <a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.de\/artikel\/herz-statt-hetze-bleibt-fader-beigeschmack\">&#8222;Herz statt Hetze: Es bleibt ein fader Beigeschmack&#8220;<\/a> der am 3.9.18. im &#8222;vorw\u00e4rts&#8220; online ver\u00f6ffentlicht wurde. Leider wurde dieser Debattenbeitrag dort nicht ver\u00f6ffentlicht, sodass wir ihn auf diesen Weg zu Verf\u00fcgung stellen m\u00f6chten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Sieble, Mit Erschrecken haben wir Ihren Artikel \u201eHerz statt Hetze: Es bleibt ein fader Beigeschmack\u201c zur Kenntnis genommen. 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