Beschluss des Bundesausschusses derSJD-Die Falken in Regensburg vom 11. - 12.10.2003"Ausbildungsoffensive 2003" ist gescheitertAufgrund des Ausbildungsversagens der Wirtschaft haben diese Jugendlichen extrem schlechte Startchancen ins Berufsleben. Erheblich gestiegen ist auch der direkte Gang in die Arbeitslosigkeit. Zehntausende junger Menschen bekommen so von der Gesellschaft als Botschaft vermittelt: Ihr werdet nicht gebraucht, ihr seid überflüssig. Mit jedem neuen Ausbildungsjahr verschärft sich dieser in einer reichen Gesellschaft nicht hinnehmbare Skandal. Mehr als eine halbe Million junger Menschen unter 25 Jahren ist arbeitslos gemeldet. Eben so viele befinden sich in Maßnahmen der Arbeitsämter. Das Klinkenputzen im Rahmen der "Ausbildungsoffensive 2003" muss damit als gescheitert gelten. Mehr als 500.000 ausbildungsberechtigte Betriebe beteiligen sich nicht an der Ausbildung, das sind mehr als zwei Drittel. Ausbildungsumlage jetzt!Nachdem auch der Ausbildungsgipfel in dieser Woche keine konkreten Ergebnisse hervorgebracht hat, stehen Bundesregierung und Sozialdemokratische Partei im Wort, die gesetzlichen Maßnahmen zu ergreifen. Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken bekräftigt ihre Forderung nach der unverzüglichen Einführung einer gesetzlichen Ausbildungsumlage, die ausbildende Betriebe entlastet und die Trittbrettfahrer in der Wirtschaft finanziell in die Haftung nimmt. Wir fordern die Bundesregierung auf, noch im Oktober eine entsprechende Vorlage in den Bundestag einzubringen. Hat die rot-grüne Bundesregierung mit dem Sofortprogramm JUMP anfangs wenigstens ein Problembewusstsein bewiesen, das sie von der Kohl-Ära unterschied, verlangen wir heute die Bereitschaft, anstelle verpuffender Appelle und statistischer Schönfärberei tatsächlich entschlossene Schritte zu gehen, die auf eine Ausbildungsgarantie unter Wahrung der Berufswahlfreiheit für alle jungen Menschen zielen. Während die Bundesregierung keine Scheu erkennen lässt, Arbeitslose, Kranke, SozialhilfeempfängerInnen u. a. zu belasten, tut sie sich schwer, ihr Wahlprogramm in Richtung der ausbildungsunwilligen Wirtschaft umzusetzen. Wenn auch in erster Linie die privatwirtschaftlichen Betriebe hier nicht ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen nachgekommen sind, so lässt sich nicht darüber hinwegsehen, dass auch die öffentlichen Arbeitgeber an vielen Stellen ihr Ausbildungsplatzangebot drastisch reduziert haben. Auch diese Tendenz ist nicht hinnehmbar und muss umgekehrt werden.
Für eine umfassende BerufsbildungsreformNeben der Quantität bietet aber auch die Qualität der Ausbildung Anlass zur Sorge und für deutliche Veränderungen. Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken fordert die Bundesregierung auf, eine umfassende Berufsbildungsreform als vorrangiges Arbeitsvorhaben im Dialog mit Gewerkschaften und Betroffenen auf den Weg zu bringen. Wesentliche Felder und Forderungen in diesem Zusammenhang sind u.a.:
Die aktuelle Diskussion um die Etablierung zweijähriger Ausbildungsberufe verfolgen wir ausgesprochen kritisch. Es ist eine Illusion anzunehmen, dass Betriebe, die jetzt nicht bereit sind, als leistungsschwach eingestufte Jugendliche auszubilden, dies dann in zweijährigen Berufen tun werden. Einzige Folge wäre der Einstieg in eine Spirale der Qualitätssenkung.
Arbeitslosigkeit bekämpfenWir sind uns bewusst, dass Ausbildung, Qualifizierung und Vermittlung zwar die individuellen Möglichkeiten maßgeblich beeinflussen, aber im Grunde am gesellschaftlichen Normalzustand der Massenarbeitslosigkeit nichts grundlegendes ändern können. Diese ist Ausdruck eines systemimmanent nicht auflösbaren Dilemmas der kapitalistischen Ordnung, die auf der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft beruht, diese aber zugleich durch immense Produktivitätsfortschritte zunehmend "überflüssig" macht. Dennoch sind wirksame reformpolitische Schritte kurzfristig möglich, wenn sie gewollt sind und durchgesetzt werden.Wesentliche Ansätze wären umfangreiche Arbeitszeitverkürzungen und - im Gegensatz zur aktuellen Strategie der "Agenda 2010" - eine Armut vermeidende, Nachfrage fördernde Verteilungspolitik.
Beschluss des Bundesausschusses der SJD-Die Falken in Regensburg vom 11. - 12.10.2003 |